Petrus-Kirche

Am 11. April 1965 konnte die Petrus-Kirchengemeinde (mit Stresow, Tiefwerder und Teilen von Ruhleben) endlich ihr neues Gotteshaus in der Grunewaldstraße einweihen. Eine junge Gemeinde auf altem Boden.

Der Stresow im Mündungsdelta von Spree und Havel gelegen, gehört seit 1232 bereits zum Stadtgebiet Spandaus, obwohl er seinen ländlichen Charakter lange bewahrte. Hier, wie damals üblich an einer Ausfallstraße, lag das Gertraudenspital, der Äbtissin von Nivelles geweiht und besonders um Arme und kranke Reisende bemüht. Zur klosterähnlichen Anlage gehörte auch eine Kapelle, deren Meßpriester aber nicht über Pfarrrechte verfügte, also keine Amtshandlungen vornehmen durfte. 1640 wurde diese Kapelle im Zuge der Erweiterung der Stadtbefestigung abgerissen. Der Stresow selbst wurde erst nach den napoleonischen Kriegen in die Befestigung mit einbezogen und erhielt dazu einige Verschanzungen. Mit Ansiedlung der Geschützgießerei auf dem Stresow begann auch hier die Industrialisierung, sodass der Spandauer Bahnhof (heutiger S-Bahnhof Stresow) gebaut wurde.

Als im 19. Jahrhundert vermehrt Militär in Spandau einquartiert wurde, zuerst in den Bürgerhäusern, zunehmend aber kaserniert, wurden die Stresow I und II Kasernen gebaut, von denen eine heute noch steht. Im Zweiten Weltkrieg diente der Stresow als Waffenschmiede und wurde daher besonders stark zerstört. Als 1943 eine Luftmine das Schulhaus in Tiefwerder, den einstigen Mittelpunkt der Gemeinde „Nicolai-Ost” zerstört hatte, improvisierte man in Gasthäusern u.ä. kirchliches Leben – scherzhaft als “Pfarrbezirk Prost-Nikolai” mit dem Herrn “Kneipenpfarrer” bezeichnet.

 

Das Gemeindezentrum Petrus-Kirche mit Kindertagesstätte ist Anfang der 60er Jahre vom Architekten Dipl.-Ing. Lichtfuß und dem Kirchenbaurat Streckebach neu entworfen worden.Das Kirchenschiff ist in einem einfachen, schlichten Stil gehalten, wobei die weißen Wände von einer dunkleren Holzverkleidung aufgelockert werden.Die farbkräftigen Kirchenfenster, von denen das große Fenster fast die gesamte Westwand des Kirchensaals ausmacht, gestaltete Sigmund Hahn.

Nach Umzug in die neu gebaute Kirche 1964 wurde der Name der Gemeinde von Nikolai-Ost in Petrus-Kirchengemeinde geändert. Petrus ist der Schutzpatron der Fischer und steht damit in Beziehung zum Fischerdorf Tiefwerder. Außerdem bezieht sich der Name auch in Anlehnung und Abgrenzung auf Nikolaus, den Schutzpatron der Spandauer Fischer.

Seit 1998, als die evangelische St. Nikolai-Gemeinde in Berlin-Spandau aus den drei Gemeindeteilen St. Nikolai-Kirche, Petrus-Kirche und Ladenkirche gebildet wurde, gehört die Petrus-Kirche nun wieder mit der Muttergemeinde zusammen. In den letzten Jahren hat sich der Standort durch den großen Garten, die unmittelbare Nähe zu Krippe, Kita und Familienzentrum zu einem quirligen und lebendigen Gemeindezentrum entwickelt. 

 

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