01/07/2026 0 Kommentare
Die Spur der Sterne. St. Nikolai erhält historische Schätze zurück
Die Spur der Sterne. St. Nikolai erhält historische Schätze zurück
# Museum

Die Spur der Sterne. St. Nikolai erhält historische Schätze zurück
Es war Anfang Mai 2006, als ich erstmals auf meiner To-do-Liste notierte: "Wo sind die Globen? Heimatmuseum?" Und im vergangenen Oktober konnte ich nach fast genau zwanzig Jahren diesen Punkt von meiner Liste streichen. Was war geschehen?
Himmel und Erde
Zu den ältesten noch erhaltenen Katalogen unserer Spandauer St.-Nikolai-Kirchenbibliothek zählt das handschriftliche Bücherverzeichnis, das der Theologiestudent Samuel Wilcke im Jahr 1700 im Auftrag der Kirchengemeinde angefertigt hat. Auf dem vorletzten Blatt vermerkte er: Isaaci Haberechts Globus Coelestis et Terrestis (Isaak Habrechts Himmels- und Erdglobus). Diese Globen entstanden nach den Aufzeichnungen des aus Straßburg stammenden Mediziners und Mathematikers Isaak Habrecht d. J. (1589–1633) und gehören zu den äußerst seltenen Exemplaren aus dem 17. Jahrhundert. Wer sie wann für unsere Bibliothek anschaffte, wissen wir nicht.
Ein weiteres Paar
Vom Germendorfer Pfarrer Georg Wilhelm Wegner (1692–1765), bekannt als Tharsander, konnten Sie schon häufiger hier im Gemeindebrief lesen. Testamentarisch vermachte er der Spandauer St.-Nikolai-Kirche seine Büchersammlung, zu der sowohl ein Himmels- als auch ein Erdglobus gehörten. Amtsmann Flöricke aus Bärenklau war mit der Vollstreckung des Testaments betraut und übergab beide Globen im Januar 1766 ordnungsgemäß an die Gemeinde. Der entsprechende Lieferschein ist in unserem Archiv erhalten. Es handelt sich um wertvolle Sammlerstücke aus der Nürnberger Werkstatt von Johann Gabriel Doppelmayr und Johann Georg Puschner; sie wurden um 1730 gefertigt.
Das Verschwinden
Von 1937 bis 1939 arbeitete der Germanist Hellmut Rosenfeld (1907–1993) in der Spandauer Kirchenbibliothek. Er legte Listen der Manuskripte und Wiegendrucke sowie einen alphabetischen Zettelkatalog nach modernen Grundsätzen an. Unter anderem beschrieb er zwei Himmelsgloben, die sich in der Sammlung befanden. Auf einem in dieser Zeit gefertigten Foto sind die beiden zu erkennen. Mit anderen Worten: Die dazugehörenden Erdgloben waren damals bereits verschwunden. Als 1989 unser Kirchenmuseum Spandovia Sacra am Reformationsplatz 12 eingerichtet wurde, hatten sich inzwischen auch die Spuren der Himmelsgloben verloren. Waren sie wegen des Zweiten Weltkrieges ausgelagert worden? Hatte man sie nach dem Krieg verliehen? Wir wissen es nicht.
Die Rückkehr
2023 wurde im Stadtgeschichtlichen Museum Spandau (Zitadelle) eine Projektstelle für Provenienzforschung mit der Kulturwissenschaftlerin Friederike Klose besetzt, was sich als Glücksfall für unsere Gemeinde erwies. Im Depot der Zitadelle befanden sich zwei alte Himmelsgloben, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt war. Die nachfolgenden akribischen Nachforschungen konnten nachweisen, dass es sich um die zwei in St. Nikolai vermissten Exemplare handelt. Im Oktober 2025 wurden die Kunstschätze offiziell zurückgegeben (siehe Foto oben). Noch befinden sich die Globen bis zum 27. September 2026 in der empfehlenswerten Ausstellung "Objekte befragen – Antworten finden" auf der Zitadelle, bevor sie dann bei uns am Reformationsplatz zu bewundern sein werden.
Sabine Müller, Museumsleiterin
Dieser Beitrag erschien zuerst im Gemeindebrief St. Nikolai Berlin-Spandau, Ausgabe Juni - August 2026.
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